Rotes Wien

Die wichtigsten Ereignisse der Epoche „Rotes Wien“ von 1919 bis 1934.

 

4. Mai 1914
Gemeinderatswahl

Vorderansicht des Wiener Rathauses
(c) WStLA

Bei der Gemeinderatswahl am 4. Mai 1919 galt erstmals das Allgemeine Wahlrecht für Wiener Frauen und Männer. Gleichzeitig wird der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Wien, Jakob Reumann, gewählt. Start der Epoche „Rotes Wien“.

 

22. Mai 1919
Jakob Reumann

Jakob Reumann Denkmal
(c) WStLA

Jakob Reumann wird am 22. Mai 1919 in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates als neuer Bürgermeister angelobt.

 

22. Mai 1919
Hugo Breitner

Hugo Breitner Denkmal
(c) WStLA

Hugo Breitner wird Amtsführender Stadtrat für Finanzen. Im Zuge seiner Amtszeit wird das Abgabesystem umgestellt.

 

11. Juli 1919
Schulärztlicher Dienst

Ärztliche Untersuchung in der Schule
(c) mediawien

Im Gemeinderat wird am 11. Juli 1919 die Ausdehnung des schulärztlichen Dienstes auf alle Volks- und Bürgerschulen beschlossen.

 

4. August 1920
Fürsorgeabgabe

Die Fürsorgeabgabe, eine Gemeindeabgabe für öffentliche Fürsorgezwecke im Gebiet der Stadt Wien wird eingeführt.

 

23. September 1920
Mutterberatungsstellen

Beratungsgespräch im Wohlfahrtsamt
(c) WStLA

Große Erweiterung der ab 27. April 1917 eingerichteten Mutterberatungsstellen. Diese wurden zur Information über Ernährung und Pflege der Kinder und zur Senkung der Kindersterblichkeit stark ausgebaut.

 

22. November 1922
Julius Tandler

Porträt von Julius Tandler
(c) ÖNB, Bildarchiv Austria, H1182

Julius Tandler wird Amtsführender Stadtrat für Wohlfahrtspflege.

 

30. Juni 1921
Zentrales Wohlfahrtsamt

Am 30. Juni 1930 werden im Gemeinderat die Leitsätze für die Organisation und Wirkungsweise der Fürsorge beschlossen. Gründung des Zentralen Wohlfahrtamtes. Beginn der Reform des Fürsorgewesens. Es kommt zu inhaltlichen und organisatorischen Reformen in der Individual-, Kinder- und Jugend-, sowie Erwachsenenfürsorge.

 

1. Jänner 1922
Wien wird eigenes Bundesland

Durch das am 1. Oktober 1920 von der konstituierenden Nationalversammlung beschlossene Bundesverfassungsgesetz wird die Trennung von Wien und Niederösterreich fixiert. Wien wird am 1. Jänner 1922 ein eigenes Bundesland.

 

1. Jänner 1922
Am Steinhof

Lungenheilanstalt Baumgartner Höhe
(c) WStLA

Als Folge der Schaffung des Bundeslandes Wien wird die „Wiener Landes-, Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof“ von der Gemeinde Wien übernommen und anschließend modernisiert. Dabei wird der westliche Teil des Areals als „Lungenheilstätte Baumgartnerhöhe“ eingerichtet.

 

11. Jänner 1922
Schulzahnkliniken

Zentrale Schulzahnklinik (1937)
(c) WStLA

Die Gemeinde Wien übernimmt zwei Schuzahnkliniken (in Hütteldorf bzw. in der Brigittenau) unter Stadtrat Julius Tandler, die sich von einer Erste-Hilfe-Stelle in eine Frühbehandlungseinrichtung entwickeln.

 

1. Juni 1922
Eheberatungsstellen

Am 11. Juni 1922 wird die erste Eheberatungsstelle („Gesundheitliche Beratungstelle für Ehewerber), gegründet.

 

28. März 1922
Gründung des Stadtschulrates

Ansicht Palais Epstein
(c) WStLA

Am 28. März 1922 wird der Stadtschulrat unter Leitung von Otto Glöckl gegründet. Der Bezirksschulrat und der Landeschulrat werden zu einer Behörde zusammengefasst. So wurde die Wiener Schulverwaltung neu aufgestellt und die Grundlage für die Wiener Schulreform geschaffen.

 

12. Juli 1922
Volkskindergärten

Spielraum im Pestalozzihof-Kindergarten
(c) WStLA

Die Volkskindergärten wurden ursprüglich am 22. Jänner 1919 und somit noch vor Beginn der Epoche von der Vorgängerregierung, aber unter sozialdemokratischer Beteiligung gegründet. Am 12. Juli 1922 wurden 14 öffentliche Kindergärten in Volkskindergärten umgewandelt. Aufgrund der immer häufig werdender Erwerbstätigkeit beider Elternteile wurden die Öffnungszeiten in den Volkskindergärten von Montag bis Freitag von 7:00 bis 18:00 verlängert.

 

1. Oktober 1922
Kinderausspeisung

Kinderausspeisung im Kindergarten Karl-Marx-Hof
(c) WStLA

In den städtischen Kindergärten werden die Kinder ab 1. Oktober 1922 von der Zentralküche „Wiener öffentliche Küchenbetriebsgesellschaft“ mit Essen versorgt. Davor mit Schulbeginn 1922 auch die Schulkinder der städtischen Schulen.

 

17. Dezember 1922
Krematorium

Ansicht des Krematorium am Zentralfriedhof
(c) WStLA

Am 17. Dezember 1922 wird das erste Krematorium Österreichs nach Plänen von Clemens Holzmeister feierlich eröffnet. Zahlreiche Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

 

23. Jänner 1923
Pädagogisches Institut

Am 23. Jänner 1923 wird das Pädagogische Institut durch Otto Glöckl als Nachfolgerinstitution der ehemaligen Lehrerakademie gegründet. Das Institut diente der Fortbildung von Lehrern, der Vorbereitung auf die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen und die Prüfung auf die einzelnen Fachgruppen der Bürgerschulen.

 

1. Februar 1923
Zweckgebundene Wohnsteuer

Am 1. Februar 1923 wurde die erste zweckgebundene Wohnbausteuer eingehoben. Die Steuer war sozial gestaffelt – für Arbeiterwohnungen und Luxuswohnungen – und diente zur Finanzierung des kommunalen Wohnbaus im Rahmen der städtischen Wohnbauprogramme.

 

16. Juli 1923
Übernahme Karolinen-Kinderspital

Bettenzimmer im Karolinen-Kinderspital
(c) WStLA

Am 16. Juli 1923 übernimmt die Gemeinde Wien das Karolinen-Kinderspital im 9. Gemeindebezirk. Bis 1925 wird ein Infektionspavillon im Zusammenhang mit der Errichtung der Kinderübernahmestelle gebaut.

 

21. September 1923
Erstes städtisches Wohnbauprogramm

Am 21. September 1923 wird das erste städtische Wohnbauprogramm im Gemeinderat beschlossen und so die Grundlage für den Bau von 25.000 Wohnungen geschaffen.

 

27. September 1923
Einführung „Colonia-Kübel“

Sammelfahrzeug mit Kippdeckel-Mistkübel
(c) MA 48

Ab 27. September 1923 beginnt die Einführung des flächendeckenden „Colonia-Systems“ in Wien. Einheitliche Mistkübel mit Kippdeckel werden in Häusern aufgestellt und dadurch die Staub- und Geruchsbelästigung reduziert. Größtenteils erfolgt die Müllbeseitigung durch motorgetriebene Sammelfahrzeuge.

 

13. November 1923
Karl Seitz wird neuer Bürgermeister

Porträt von Karl Seitz
(c) WStLA

Am 13. November 1923 tritt Jakob Reumann als Bürgermeister zurück und übergibt sein Amt an Karl Seitz.

 

1. Juni 1924
Übernahme Brigittaspital

Außenansicht des Brigittaspitals
(c) WStLA

Am 1. Juni übernimmt die Gemeinde Wien das Brigittaspital im 20. Gemeindebezirk. Das Spital wird modernisiert und erweitert. Wiedereröffnet wird es als „Entbindungsheim der Stadt Wien-Brigittalspital“ am 18. Oktober 1926 mit einem zusätzlichen Ambulatorium sowie einer Mutterberatungsstelle.

 

14. August 1924
Übernahme Leopoldstädter-Kinderspital

Vorderansicht des Leopoldstädter-Kinderspitals
(c) WStLA

Die Gemeinde Wien übernimmt am 14. August 1924 das Leopoldstädter-Kinderspital im 2. Wiener Gemeindebezirk. Die Anlage wird danach saniert und die Bettenzahl von 117 auf 137 Betten erhöht.

 

1925
Kindergarten im Waldmüllerpark

Spielende Kinder im Kindergarten Waldmüllerpark
(c) WStLA

1925 wird der Kindergarten im Waldmüllerpark im 10. Gemeindebezirk nach den Ideen von Friedrich Fröbel, dem „Vater der Kindergartenpädagogik“ in Betrieb genommen. Im Mittelpunkt seiner Pädagogik stehen die Kinder und ihre Entwicklungsbedürfnisse.

 

1. Februar 1925
Übernahme Markhofsche-Kinderspital

Mutterberatung im Mautner Markhofschen Kinderspital (1947), (c) WSTLA

Am 1. Februar 1925 übernimmt die Gemeinde Wien das Mautner Markhofsche-Kinderspital im 3. Gemeindebezirk unter Leitung des renommierten Arztes Prof. Dr. Hans Salzer.

 

3. Juni 1925
Wiener Elektrische Stadtbahn

Stadtbahn im Vordergrund der Großmarkthalle
(c) WStLA

Feierliche Eröffnung der Wiener Elektrischen Stadtbahn am 3. Juni 1925 an der Station Alserstraße. Betrieben wurde sie zunächst zwischen Alserstraße und Hütteldorf. Die Stadtbahn löste die Dampf betriebene Bahn ab und war bis 6. Oktober 1989 im Einsatz. Am 20. Oktober 1925 wurde die Strecke auf die gesamte Wiental-, Donaukanal-, und Gürtellinie erweitert und ein Tarifbund geschaffen.

 

12. Juni 1925
Metzleinstalerhof

Außenansicht des Metzleinstalerhofs
(c) WStLA

Bereits 1920 wird mit dem Bau des Metzleinstalerhofs nach Plänen des Architekten Robert Kalesa begonnen. Dieser gilt als erster Wiener Gemeindebau. Am 12. Juni 1925 wird der Gemeindebau nach dem zweiten Bauabschnitt nach Plänen des Architekten Hubert Gessner mit insgesamt 244 Wohnungen eröffnet.

 

18. Juni 1925
Erste Kinderübernahmestelle

Kinderübernahmestelle in der Lustkandlgasse 50, (c) WStLA

Am 18. Juni 1925 wird die erste Kinderübernahmestelle der Gemeinde Wien in der Lustkandlgasse 50 für alle der Gemeinde zur Fürsorge übergebenen Säuglinge-, Kinder und Jugendliche eröffnet. Die Einrichtung ist zu dem Zeitpunkt einzigartig in Europa.

 

17. Jänner 1926
Arbeiterhochschule

Am 17. Jänner 1926 wird die Arbeiterhochschule als Einrichtung der Arbeiterbildung ins Leben gerufen. Der Ausbildungsbetrieb muss nach nur vier Jahren aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt werden.

 

4. April 1927
Säuglingswäschepaket

Schreiben mit Inhalt des Säuglingswäschepakets
(c) PID/Votava

Am 4. April 1927 werden die ersten Säuglingswäschepakete mit Windeln, Jäckchen, Badetüchern, Hemdchen, Nabelbinden, Tragkleidchen, Flanelldecke, Kautschukeinlagen, Seife, Creme und Hautpuder ausgegeben. Sie waren für alle Wiener Kinder bestimmt.

 

27. Mai 1927
Zweites städtisches Wohnbauprogramm

Am 27. Mai 1927 wird das zweite städtische Wohnbauprogramm für den Bau von weiteren 30.000 Wohnungen im Gemeinderat beschlossen.

 

1928
Sandleitenhof

Innenhof der Wohnhausanlage Sandleiten
(c) WStLA

1928 wird der Sandleitenhof im 16. Gemeindebezirk nach 5 Baustufen fertiggestellt. Er ist mit 1.587 Wohnungen der größte kommunale Wohnbau Wiens.

 

1928
Rabenhof

Innenhof der Wohnahusanlage Rabenhof (WStLA)

1928 wird der Rabenhof, einer der größten städtischen Wohnhausanlagen nach Plänen von Heinrich Schmidt und Hermann Aichinger, eröffnet. Die Anlage umfasst insgesamt 1.112 Wohnungen.

 

1928
Arbeiterbüchereien

Buchausgabestelle in der städtischen Bücherei Sandleiten (c) WStLA

1928 wird im Rahmen der Arbeiterbildungskonferenz das Buch als Mittel der Arbeiterbildung anerkannt. 1932 gibt es über 60 Arbeiterbüchereien, die großteils in Wohnhäusern der Gemeinde Wien untergebracht sind. Aus den Arbeiterbüchereien entstanden in späterer Folge (1938) die städtischen Büchereien.

 

1928
Augenärztliche Zentrale

Untersuchung in der augenärztlichen Zentrale (c) WStLA

Ende 1928 wird die Augenärztliche Zentrale für Schulkinder eingerichtet, um die Leistungsfähigkeit der augenärztlichen Untersuchungen des schulärztlichen Dienstes zu erweitern.

 

20. Mai 1928
Kongresspark

Menschen im Kongresspark (c) WStLA

Der Kongresspark in unmittelbarer Nähe des Sandleitenhofs wird auf einer ehemaligen Sandgewinnungsstätte und Mülldeponie errichtet und eröffnet. Er ist nur eine von vielen Parkanlagen, die in der Epoche des „Roten Wien“ neu angelegt werden.

 

1930
Goethehof

Außenansicht des Goethehofs (c) WStLA

Der Goethehof wird 1930 mit 677 Wohnungen nach Plänen von Hugo Mayer, Rudolf Frass, Victor Mittag, Karl Hauschka, Heinrich Schopper, Alfred Chalusch und Johann Rothmüller fertiggestellt.

 

6. April 1930
George-Washington-Hof

Außenansicht des George-Washington-Hofs (c) WStLA

Nach drei Jahren Bauzeit wird am 6. April 1930 der George-Washington-Hof im 10. Wiener Gemeindebezirk fertiggestellt. Die 1.085 Wohnungen wurden nach Plänen der Architekten Robert Oerley und Karl Krist errichtet.

 

15. Mai 1930
Der hundertste Kindergarten

Spielende Kinder im Kindergarten Sandleiten (c) WStLA

Am 15. Mai 1930 wird der hundertste städtische Kindergarten in Sandleiten von Bürgermeister Karl Seitz eröffnet. Die Zahl der Kindergärten wird in der Epoche 1919-1934 mehr als verdoppelt.

 

12. Oktober 1930
Karl-Marx-Hof

Karl Marx Denkmal vor dem Karl-Marx-Hof
(c) WStLA

Am 12. Oktober 1930 wird der Karl-Marx-Hof mit 1.325 Wohnungen für rund 5.500 Wienerinnen und Wiener eröffnet. Die großzügige Verbauung des Areals im 19. Gemeindebezirk wird zuvor 1927 im Gemeinderat beschlossen.

 

14. Dezember 1930
Tuberkulose Pavillon im Lainzer Krankenhaus

Am 14. Dezember 1930 wird der Turberkulosepavillon im Lainzer Krankenhaus eröffnet.

 

1931
Erster Montessori-Kindergarten

Bauskizze für den Kindergarten Rudolfsplatz
(c) WStLA

1931 wird der erste städtische Kindergarten am Rudolfsplatz nach den pädagogischen Überlegungen der italienischen Ärztin Maria Montessori eröffnet.

 

1931
Karl-Seitz-Hof

Innenhof des Karl-Seitz-Hofs (c) WStLA

Nach vierjährigem Bau wird der Karl-Seitz-Hof -damals die „Gartenstadt Jedlesee“- im 21. Gemeindebezirk fertiggestellt. Die Wohnhausanlage umfasst 1.173 Wohnungen, darunter ist auch die 25.000ste Wohnung des beschlossenen Wohnbauprogramms.

 

11. Juli 1931
Eröffnung Praterstadion

Innenansicht des Stadions
(c) WStLA

Am 11. Juli 1931 wird nach dreijähriger Bauzeit das (Prater-)Stadion nach Plänen des deutschen Architekten Otto Erich Schweizer eröffnet. Vor 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauer findet ein Fußballspiel zwischen der Arbeiterfußballauswahl Wiens gegen das Pendant aus Niederösterreich statt. Ursprünglich wurde das Stadion anlässlich der Zweiten Arbeiterolympiade errichtet, die auch 1931 stattfand.

 

1932
Werkbundsiedlung

Ansicht Häuser in der Werkbundsiedlung
(c) Wien Museum/Martin Gerlach jun.

1932 wird die Werkbundsiedlung im 13. Gemeindebezirk fertiggestellt. Die Siedlung nach Plänen von 33 Architektinnen und Architekten mit 70 Einfamilienhäusern wird als „Mustersiedlung“ im Rahmen der „Internationalen Werkbundausstellung Wien “ von 5. Juni bis 7. August 1932 gezeigt.

 

12. Februar 1934
Februarkämpfe

Am 12. Februar 1934 endet die Epoche des „Roten Wien“ mit dem Aufstand gegen die Regierung. Der Wiener Landtag wird schlussendlich aufgelöst, Bürgermeister und Stadtsenat treten zurück.